Maria Kobler-Wyer

Enduro2-Gründer Ali Jamieson: «Die Trails in der Aletsch Arena haben uns extrem begeistert»

Lesezeit: 5 Minuten

Ali Jamieson ist der Gründer von Enduro2, das 2015 in Les Arcs gestartet ist. Bei diesem Rennformat starten die Fahrer*innen mit Rennpartner*in. «Der Spass einer guten Fahrt ist noch grösser, wenn man ihn teilt», sagt Ali Jamieson. Im Interview erzählt er ausserdem, wie er es schafft den Laptop liegen zu lassen und weshalb er London den Rücken gekehrt hat.

Wie hast du mit Biken angefangen?
Aufgewachsen bin ich mit BMX-Fahren zusammen mit den anderen Kindern aus meiner Strasse. Daraus entwickelte sich später Mountainbiken auf den lokalen Trails – aber in den 90ern bedeutete das leider oft stundenlanges Abmühen auf langweiligen Forststrassen für 4x4-Fahrzeuge. 
1998 besuchte ich Les Gets zum ersten Mal, mit einem völlig ungeeigneten XC-Hardtail, während eines ungeplanten Sommerurlaubs in Grossbritannien. Dieser Trip säte den Keim, der letztlich alles für mich veränderte. 

Inwiefern veränderte sich alles?
Nach dem Studium verfolgte ich zunächst eine <normale> Karriere als Ingenieur in London – ganze zwölf Jahre lang. Parallel dazu baute ich mir jedoch in meiner Freizeit und während der Ferien langsam ein MTB-Guiding-Business auf. Anfang dreissig kündigte ich schliesslich meinen Job in Grossbritannien und zog in die Alpen, um meinen Traum zu leben. 
Die Organisation von Events entstand als Nebenprodukt daraus. Mein allererstes Event war das sechstägige Trans-Savoie-Enduro – bis heute die einzige Veranstaltung, die Liftzugang mit einer mehrtägigen Route kombiniert, bei der das Basecamp jeden Tag wechselt. 

Ali Jamieson, Gründer Enduro2 und Direktor trailAddiction Ltd

Ali Jamieson, Gründer Enduro2 und Direktor trailAddiction Ltd. Bilder: zVg

Wie sieht deine Rolle bei Enduro2 aus?
Meine Rolle bei Enduro2 umfasst heutzutage alles – vom Streckendesign über das Marketing bis hin zu all den langweiligen, aber unverzichtbaren Dingen wie Rechtliches, Steuern, Regularien und Budgetplanung. Ich wünschte, ich würde deutlich weniger Zeit am Schreibtisch verbringen, aber ich bin sehr froh, dem Londoner Leben den Rücken gekehrt zu haben. 
Ausserdem achte ich darauf, mindestens zehn komplette Guiding-Wochen pro Jahr persönlich zu leiten. Es ist mir wichtig, den direkten, intensiven und persönlichen Kontakt zu zumindest einem Teil unserer Kundinnen und Kunden zu behalten. Und ganz nebenbei zwingt es mich, den Laptop liegen zu lassen. 
Etwa die Hälfte des Jahres verbringe ich ausserdem in Neuseeland, wo ich ähnliche Events organisiere, zum Beispiel die NZ MTB Rally (wer hat Lust auf einen Heli-Drop?). 

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Erkläre uns das Konzept von Enduro2. Was macht das Event so besonders? 
Unser Motto lautet: Der Spass einer guten Fahrt ist noch grösser, wenn man ihn teilt. Daran glaube ich wirklich. Enduro2 funktioniert, weil man – im Gegensatz zu fast allen anderen Enduro- oder Downhill-Rennen – alle Höhen und Tiefen gemeinsam mit seinem Rennpartner erlebt. 
Man versteht es wahrscheinlich erst richtig, wenn man es selbst ausprobiert, aber ehrlich: Unser Blind-Pairs-Format verändert alles! Stell dir den besten Party-Zug deines Lebens vor – dann bist du schon ziemlich nah dran. 
Enduro2 ist aber definitiv kein Gimmick. Wir geben uns extrem viel Mühe, nur die allerbesten Destinationen in Europa auszuwählen. Ja, das bedeutet, jedes Jahr viele Wochen damit zu verbringen, neue mögliche Austragungsorte zu erkunden. Ein harter Job – aber irgendjemand muss ihn ja machen … 

Was war bisher dein grösstes Highlight bei diesem Event? 
Wir haben eine starke Community von Fahrerinnen und Fahrern aus ganz Europa (und der ganzen Welt!) aufgebaut, die viele verschiedene Sprachen sprechen. Im Vergleich zu den meisten MTB-Rennen haben wir einen sehr hohen Frauenanteil. 
Viele Profis und ehemalige Profis melden sich an, um bei Enduro2 zu starten. Jérôme Clémentz wird 2026 beim Rennen in der Aletsch Arena an den Start gehen. 
Es ist grossartig, ein Event zu schaffen, das für alle offen ist, bei dem sich Menschen jedes Levels willkommen und wohlfühlen können. 
Vor allem aber: Von den Fahrerinnen und Fahrern, die für die Aletsch Arena gemeldet sind, haben mehr als 50% schon einmal an Enduro2 teilgenommen. Unser Team aus über 50 verrückten, lustigen und grosszügigen Volunteers ist normalerweise jedes Jahr bei jedem Event dabei. Es fühlt sich wirklich wie eine grosse, fantastische Familie an. 

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Ali Jamieson ist begeistert von den Trails in der Aletsch Arena.

Worauf freust du dich beim ersten Enduro2 in der Aletsch Arena am meisten? 
Die Trails, die wir in Aletsch entdeckt haben, haben uns ehrlich gesagt extrem begeistert. Wir können es kaum erwarten, all die Rider zu sehen, wie sie sich am Ende jeder grossartigen Stage abklatschen! 

Was ist ein absolutes «Must-have» nach einer grossartigen Bike-Tour? 
Das klingt jetzt nach einem grossen Klischee, aber nichts schlägt ein kaltes Bier, das man mit seinem Rennpartner teilt. Aber: Es muss eiskalt sein. Und idealerweise direkt im Ziel serviert werden. Ja, das werden wir natürlich auch für Enduro2 in der Aletsch Arena organisieren. 

Welchen Song würdest du als Soundtrack für deinen Lieblings-Downhill wählen? 
September – Earth, Wind & Fire 

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Ali Jamieson hat das Leben in London gegen die Alpen getauscht.

Schnelle Fragen
27,5" oder 29"? 
Ich merke ehrlich gesagt keinen Unterschied. 

E-Bike oder Bio-Bike? 
Light-E-Bike (das Beste aus beiden Welten) 

Flow-Trail oder Tech-Trail? 
Tech – jedes Mal! (Ich habe keinen Style.) 

Downhill World Cup oder Rampage? 
Keines von beiden – ich mache lieber selbst mit, statt zuzuschauen. 

Raclette oder Fondue? 
Beides! 

Wein oder Bier? 
Aperol Spritz 

Früh morgens fahren oder Sunset-Session? 
Ganz klar Sunset. 

Flow-Modus oder Full Send? 
Mein Ego sagt: F*CK YEAH FULL SEND, BABY! Dann schaue ich in den Spiegel und sehe einen etwas dicken, faltigen (und ein bisschen verängstigten) 48-Jährigen. 

Enduro2 in der Aletsch Arena

Die Aletsch Arena ist vom 12. bis 14. September 2026 zusammen mit Bellwald nach Méribel und Verbier der dritte Host der Enduro2-Serie. 

Enduro2 ist ein Enduro-Rennen im Zweierteam-Format. Pro Team gibt es nur einen Zeitmess-Chip, daher müssen die Fahrer zusammenbleiben. Der Fokus richtet sich auf Gemeinschaft, Erlebnis und Spass; das Resultat ist zweitrangig.

Der Event erstreckt sich über drei Renntage: Anreise Freitag, Rennen Samstag–Montag, Abreise Dienstag.

Erwartet werden rund 350 Fahrer*innen aus 31 Nationen, davon stammt der grösste Teil aus Grossbritannien, Frankreich und Italien.

Der Event Hub ist auf der Bettmeralp im Sportzentrum Bachtla/Stoney’s Bar.

 

Maria Kobler-Wyer

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