Blog Gletschergeflüster

«Das Zusammensein macht den Zirkus zum besten Hobby der Welt»

Geschrieben von Maria Kobler-Wyer | 29.05.2026 08:45:17

Natur, Berge, frische Luft und mit der Seilbahn fahren was für die Gäste Postkartenidylle in den Ferien bedeutet, ist für Noah Jenelten Alltag. Er erzählt von seiner Kindheit und seinem Leben auf der Bettmeralp.

«Ich liebe das Jonglieren, das befreit meinen Kopf», sagt Rosalie Strebkow. «Und die Luftakrobatik mag ich, weil sie mich körperlich anstrengt.» Sie arbeitet seit elf Jahren bei der Zirkusschule Marotte, die den Mitmachzirkus in der Aletsch Arena organisiert. Genauso lange bringt sie im Sommer auf der Bettmeralp Kindern Kunsttücke bei. «Ich freue mich jedes Jahr auf die Berge, Seen und die frische Luft.» Und auch die Kinder hätten Spass bei dem Projekt.

Zum ersten Mal als Trainer auf der Bettmeralp dabei ist Noah Bernheim. «Ich bin ein Bergmensch», sagt er. «Deshalb freue ich mich auf die neue Umgebung und die sicher angenehmeren Temperaturen als in Adliswil.» Er leitet aber bereits seit vier Jahren Zirkuswochen und nahm vor 16 Jahren als kleiner Bub erstmals teil. Der 22-Jährige studiert an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Artistik ist sein Hobby und gleichzeitig sein Nebenberuf. In den Jahreskursen der Zirkusschule Marotte unterrichtet er fünfeinhalb Stunden pro Woche, dazu trainiert er selbst zwischen dreieinhalb und achteinhalb Stunden an verschiedenen Orten.

Rosalie jongliert mit Bällen und Keulen, aber auch mit Alltagsgegenständen wie einem Kochlöffel oder einer Trinkflasche. In der Luft arbeitet sie mit «Abfallern» oder Aufgängen und Figuren wie dem Spagat. «Ich übe mit den Kindern das, was ich auch wirklich kann, damit sie sicher sind und mir vertrauen können», sagt die Rosalie, die bereits seit 25 Jahren in der Zirkuswelt arbeitet.

«Es gibt immer Überraschungen»

Noah faszinieren verschiedene Dinge am Zirkus. «Wenn ich selbst Artistik betreibe, liebe ich es, mich durch meinen Körper ausdrücken zu können, andere zum Staunen zu bringen und meinen Körper auf eine neue Art, in neuen Bewegungen kennenzulernen», sagt er. «Beim Unterrichten faszinieren mich vor allem Momente, in denen ein Kind, eine Jugendliche oder ein Jugendlicher nach mehrmaligem Probieren endlich einen neuen Trick zum ersten Mal hinbekommen.» Und er fügt hinzu: «Oder fast noch schöner ist, wenn im Hinblick auf die Aufführung der erste komplette Durchlauf geschafft ist.»

Das Wichtigste – sei es im Training oder im Unterricht – sei aber der Zusammenhalt unter Freund*innen und Kolleg*innen. Er schwärmt: «Dieses Zusammensein ist es, was den Zirkus für mich zum besten Hobby der Welt macht.»

Rosalie liebt es, mit den Kindern zu arbeiten: «Ich weiss nie wirklich, was mich erwartet.» Die Kinder seien ehrlich und neugierig. Das gefalle ihr. «Und es gibt immer Überraschungen – das hält jung.» Spezielle Fähigkeiten bräuchten die Kinder nicht, um an der Zirkuswoche teilzunehmen. Rosalie sagt: «Es reicht, neugierig zu sein. Der Rest kommt von allein.»

«Im Zirkus funktioniert nichts ohne Vertrauen, Zusammenarbeit und Geduld»

Noah ist der Meinung, dass Kinder im Zirkusworkshop einen «Blumenstrauss an Fähigkeiten» lernen und entwickeln. «Neben offensichtlichen Dingen wie der Fähigkeit sich auf einer Rolle zu bewegen, am Trapez zu hängen, oder zu jonglieren, gehört auch ganz viel Zwischenmenschliches dazu», sagt er. «So funktioniert im Zirkus nichts ohne Vertrauen, Zusammenarbeit und Geduld.» Und gerade in Sachen Geduld habe er schon ganz oft grosse Lernfortschritte bei Kindern gesehen. «Viele möchten am Anfang direkt aufgeben, wenn sie etwas nicht gleich beim ersten Mal hinkriegen, doch mit der Zeit merken sie, dass man dranbleiben muss und dann sogar einen für unmöglich gehaltenen Trick erlernen kann.»

Und was erwartet die Kinder während der Zirkuswoche, die bereits seit 2003 auf der Bettmeralp stattfindet? «Freude, Spiele, Spass, Training. Gemeinsam fühlen, hören und lachen», sagt Rosalie. «Wir sind zusammen und lassen etwas entstehen.» Und Noah fügt hinzu: «Wir spielen mehrmals täglich alle zusammen Spiele, machen ein gemeinsames Aufwärmen und gemeinsame Bodenakrobatik und aber auch die Atelierzeit in einem der angebotenen Ateliers gehört fix dazu.»

Flüstertag zum Schutz der Kinder

Sicherheit hat immer die oberste Priorität im Training. «Das beginnt damit, dass wir uns im Team bereits im Vorfeld der Woche gut absprechen und klare <Im-Falle-des-Falles-Pläne> definieren, damit alle wissen wie zu handeln ist.» Während des Trainings gehören neben den offensichtlichen sicherheitsrelevanten Merkmalen wie Materialkontrolle oder Matten, auf jeden Fall das Aufwärmen und das Krafttraining zum Sicherheitskonzept, da so die Verletzungsgefahr effektiv gemindert werden kann. «Darüber hinaus machen wir in Zirkuswochen am Mittwoch jeweils den Flüstertag, an dem wir alle ganz ruhig und achtsam sind, da in der Wochenmitte, bei der alle langsam schon etwas müde sind, viel schneller etwas passiert als sonst», sagt Noah.

Durch die Woche hindurch werden die verschiedenen Nummern der Abschlussaufführung erarbeitet. «Und mit diesem Highlight runden wir die Woche am Freitag schliesslich ab.» Zum Schluss des Zirkusworkshops zeigen die Kinder und Jugendlichen nämlich ihre erlernten Kunststücke jeweils an einer Galavorstellung dem Publikum.