Blog Gletschergeflüster

Maja Mann: «Stirbt ein Bäumchen, tut mir das im Herzen weh»

Geschrieben von Maria Kobler-Wyer | 08.10.2026, 09:29:28

Maja Mann ist bei Forst Aletsch für das Forschungsprojekt «My Garden of Trees» zuständig. Die Ergebnisse sollen den Förster*innen helfen, Wälder zu schaffen, die besser an den Klimawandel angepasst sind.

Samstagmorgen in einem Waldstück oberhalb von Lax. Maja Mann, die seit zweieinhalb Jahren bei Forst Aletsch arbeitet, kontrolliert, ob die Bäume unter den Saatschutzgittern gewachsen oder abgestorben sind. Dabei muss sie voll konzentriert sein und ihre Beobachtungen und Fotos in einer App eingeben – etwa wie viele Pflanzen unter dem Hütchen wachsen. Sie überprüft insgesamt vier Blöcke à 25 Hütchen.

Pflanzen haben Hitze nicht vertragen

Das Forschungsprojekt «My Garden of Trees» läuft seit 2023. Damals wurden unter jedem Hütchen 15 Samen gesteckt – von Buchen und Tannen aus unterschiedlichen Ländern. Die Versuchsfläche befindet sich in einem alten Holzschlag. Die Blöcke stehen an unterschiedlichen Standorten.

«Der erste Block ist den ganzen Tag der blanken Sonne ausgesetzt», sagt Maja, die seit 26 Jahren in der Forstwirtschaft tätig ist. «Das haben die Pflanzen nicht vertragen. Sie sind alle abgestorben.» Die Pflänzchen sind allerdings nicht dem diesjährigen Hitzesommer zum Opfer gefallen, sondern bereits im vergangenen Jahr. Unter ihrem Lieblingshütchen ist eine Tanne aus dem Südtirol. «Sie stirbt ab. Das tut mir im Herzen weh», sagt Maja. Am besten gedeihen die Pflanzen im Halbschatten.

Projekt dauert bis 2028

Mithilfe des Projekts soll herausgefunden werden, welche Baumarten Hitze, Trockenheit und Klimawandel am besten vertragen. Maja übernahm das Projekt 2024. «Forschung und Wissenschaft sind genau mein Interessensgebiet.» Weltweit beteiligen sich 19 Länder an dem Projekt, 15 davon stammen aus Europa. In allen Versuchsgärten wachsen Buchen und Tannen. «My Garden of Trees» läuft noch bis im Jahr 2028, danach werden die Ergebnisse verglichen.

«Wenn es ein Bäumchen ins nächste Stadium schafft, freue ich mich sehr», sagt Maja. Für die Bäume sei der Begleitwuchs wichtig, Gräser störe hingegen nicht, was neben ihnen gedeihe. «Bei der Swissgrid-Leitung in Grengiols hat es hohe Himbeerstauden. Diese müssen wir entfernen, damit Licht auf den Boden fällt und die Bäume wachsen können.»

Bereits grösser sind die Bäume eines Testprojekts im Riederwald auf der Riederalp, dessen Ergebnisse Maja ebenfalls protokolliert. Im Gegensatz zum Projekt bei Lax wurden die Bäume auf der Riederalp gepflanzt. «Dort wachsen Lärchen, Waldföhren, Douglasien, Weisstannen und Traubeneichen.» Das Projekt in Lax sei naturnaher, weil dort Samen gesät worden seien, sagt Maja.

Im April und Mai war Maja jede Woche im «My Garden of Trees» bei Lax, im Juni alle zwei Wochen, im Juli und August überprüfte sie das Wachstum der Bäume alle drei Wochen. Vor der Winterpause besucht sie die Testpflanzen im September und Oktober wieder alle zwei Wochen. Sie ist überrascht, wie gut die Buchen im Berggebiet gedeihen. «Es wird interessant sein für später, wie die Buche mit der Hitze klarkommt und ob die Buchenbrände ein Thema werden.

Wald sorgt für Schutz und Kühle

«In Lax geht es um den Schutzwald», sagt Maja. «Die Bäume müssen dem Klima langfristig standhalten, schützen vor Lawinen, wandeln Schadstoffe um.» Maja ist sich sicher, dass in den Wäldern andere Baumarten hinzukommen werden und einheimische Arten weniger werden. «Die Natur zeigt uns, was sie möchte», sagt sie. Dort, wo der Aletschgletscher schmilzt, siedeln sich etwa Lärchen an. Neben der Schutzfunktion hat der Wald eine weitere positive Wirkung: Er sorgt mit seiner kühlenden Wirkung für ein angenehmeres Klima.