Hohe Fixkosten prägen das Bergbahngeschäft. Doch wo fliesst mein Geld aus dem Skipass überhaupt hin? Wir zeigen die tatsächlichen Kosten anhand der Aletsch Arena.
Knapp 40 Wintersportgebiete zählt das Wallis. Das kleinste in Oberwald zählt eine Pistenlänge von 200 Metern. Das grösste ist 4 Vallées. Es erstreckt sich auf über 400 Pistenkilometer.
Genauso unterschiedlich wie die Grösse sind die Betriebskosten der Skigebiete. Es ist schwer, an Zahlen zu kommen. Zwar finden sich gewisse Kennzahlen in den Jahresberichten der Betriebsgesellschaften, wirklich transparent sind aber nur die wenigsten.
Die Aletsch Bahnen machen eine Ausnahme. Das Unternehmen öffnet auf Anfrage des «Walliser Boten» seine Bücher. Mit 104 Kilometern Piste, 36 Bahnanlagen und mehr als 350 Schneeerzeugern ist die Aletsch Arena eines der grösseren Skigebiete im Wallis.
Das schlägt sich auch in den Betriebskosten nieder. Fast 25 Millionen Franken gab das Unternehmen im vergangenen Jahr für den Winterbetrieb aus. Dabei sind die Kosten für das eigene Gastro-Angebot nicht berücksichtigt. Das sind mehr als 180’000 Franken pro Tag. Die Saison dauert von Anfang Dezember bis Mitte April.
Die Aletsch Bahnen generierten im vergangenen Geschäftsjahr einen Gesamtertrag von knapp 50 Millionen Franken, wovon 6,5 Millionen Franken die Gastronomie erwirtschaftete. Mehr als 27 Millionen Franken davon stammen aus Geld, welches Gäste in der Wintersaison für ihre Tickets ausgeben. Zusätzliche Wintereinnahmen werden neben der Gastronomie unter anderem durch den Güter- und Gepäcktransport sowie die Parkgebühren generiert.
Mehr als die Hälfte der Kosten eines Betriebstages entfällt auf die Bahntechnik. 36 Gondelbahnen, Sessel- und Schlepplifte verteilen sich über Riederalp, Bettmeralp und Fiescheralp. Sie brauchen Strom. Und dieser wurde in den vergangenen Jahren teurer. Das ist in der Betriebsrechnung deutlich zu spüren.
Rund 94’000 Franken kostete es in der vergangenen Saison, die Bergbahnen fahren zu lassen. Pro Tag. Aber auch die periodischen Kontrollen erfordern viel Zeit und damit Personalstunden. Valentin König ist Direktor der Aletsch Bahnen. Er sagt: «In der vergangenen Wintersaison wurden bei den Monatskontrollen über 55’000 Punkte an den einzelnen Pendelbahnen, Sesselbahnen und Gondeln kontrolliert und wenn nötig instand gesetzt.
Rund zwei Drittel der Pisten in der Aletsch Arena sind technisch beschneit. Dafür steht eine moderne Beschneiungsanlage mit mehr als 350 Schneeerzeugern zur Verfügung. Der Stückpreis einer einzelnen Schneekanone der modernsten Generation beträgt 50’000 Franken. Dazu kommt ein weitverzweigtes Netz an unterirdischen Leitungen. Sie versorgen die Schneeerzeuger mit Strom und Wasser. Rund 500’000 Kubikmeter Wasser brauchen die Aletsch Bahnen, um den technischen Schnee für die Grundbeschneiung ihrer Pisten herzustellen. Dabei liegt der Fokus mehr und mehr auf der Effizienz.
Um einen Kubikmeter Kunstschnee herzustellen, verbraucht eine Schneekanone ungefähr so viel Strom wie ein Haarföhn in einer Stunde. Solche Rechenbeispiele hat der Branchenverband Seilbahnen Schweiz 2022 in Broschüren niedergeschrieben. Weil damals in der Schweiz die Furcht vor Strommangel umherging, gerieten die Beschneiungsanlagen in den Bergen in Kritik. Der Branchenverband konterte: Unsere Skigebiete brauchen weniger Energie als die Kursschiffe im Binnenland Schweiz.
Die Herausforderungen für die Beschneiungsequipen sind über die Jahre gestiegen. Die Wetterfenster, in denen es kalt genug für die Schneeerzeuger ist, wurden bereits merklich kürzer. Das gilt insbesondere für Lagen unterhalb von 2000 Metern über Meer. In der Aletsch Arena liegt der tiefste Punkt auf 1850 Meter über Meer.
Die Veränderungen des Klimas sind aber nicht der einzige Punkt: Strom wurde in den letzten Jahren immer teurer. Der technisch erzeugte Schnee damit auch. Bahndirektor König sagt: «In der Branche nimmt man als Faustregel fünf Franken pro Kubikmeter. So viel kostet uns diese Menge an technischem Schnee.»
Insgesamt beliefen sich die Kosten für Beschneiung im vergangenen Winter auf knapp 2,8 Millionen Franken. Wälzt man diese Kosten auf die einzelnen Betriebstage um, bleiben rund 20’000 Franken.
Erst waren es Walzen. Es brauchte schon sehr gute Skifahrer, die mit diesen rustikalen Pistenpräparationsgeräten im Schlepptau den Berg hinuntersausten. Dann kamen in den 1960erJahren Fahrzeuge des Schweizer Herstellers Ratrac und der deutschen Familie Kässbohrer. Vorne ein Schiebeschild, hinten eine Walze.
Aus den rustikalen Geräten sind heute digitale Hightech-Maschinen geworden. Die einfache Walze ist einer hydraulisch angetriebenen Fräse gewichen.
Die 500 PS starken Maschinen lassen sich mit zwei Fingern steuern. Im Cockpit der Maschine zeigen Bildschirme an, wo wie viel Schnee liegt. Anhand von Satellitendaten wissen die Fahrer, wo der Schnee am Abend hinmuss.
Das ist vor allem zu Beginn der Saison wichtig. Der teure technische Schnee wird nicht einfach verteilt und gewalzt. Moderne Skipisten werden modelliert, Unebenheiten im Gelände ausgeglichen.
Für perfekte Pistenbedingungen sorgen in der Aletsch Arena 16 Pistenfahrzeuge. Jede Nacht spulen sie zusammen 1100 Kilometer ab.
Der Anschaffungspreis der Maschinen liegt bei mehr als einer halben Million Franken. In knapp fünf Monaten leistet jede Maschine rund 1000 Betriebsstunden. Da geht auch mal etwas kaputt. Nach rund acht Saisons haben sie ausgedient und werden durch neue Maschinen ersetzt.
Mit Abschreibungen, Diesel, Personalkosten und Unterhalt lagen die Kosten für die Pistenpräparation in der vergangenen Saison bei 27’000 Franken pro Tag. Das sind insgesamt 3,7 Millionen Franken oder 15 Prozent der Gesamtkosten.
Rund 10’000 Franken pro Tag kostet die Sicherheit auf den Pisten. Zwölf Angestellte der Bergbahnen sind dafür an Spitzentagen unterwegs. Sie stellen Signalisationstafeln auf oder kümmern sich um verletzte Skifahrer. Zur Sicherung der Skipisten gehört aber noch mehr. Schneit es oder verfrachtet der Wind Schnee, müssen Lawinen gesprengt werden.
Dafür nutzen die Pistenverantwortlichen der Aletsch Bahnen fix installierte Anlagen am Berg. Auch vom Helikopter aus werden Lawinen gesprengt. Dafür werfen die Angestellten Sprengstoff mit zeitversetzten Zündern aus der Luft in die Hänge.
Die Ausgaben für den Rettungsdienst und die Pistensicherheit lagen in der vergangenen Saison bei insgesamt 1,4 Millionen Franken.
Was bringen einer Region beste Pistenverhältnisse, wenn niemand davon weiss? Und wie käme ich an meinen Skipass, wenn der Schalter geschlossen wäre und die Website streikt?
Nicht nur auf den Pisten und an den Seilbahnanlagen braucht es Personal, Software und Know-how. Auch für die Marketing-Aktivitäten, die Verwaltung oder die Informatik fallen grosse Kosten an. Am Beispiel der Aletsch Bahnen waren es in der vergangenen Saison knapp 30’000 Franken pro Tag. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf etwas mehr als vier Millionen Franken.