Blog Gletschergeflüster

«Wier si Aletsch Arena»: «Der Aletschgletscher ist der schönste und mächtigste»

Geschrieben von Maria Kobler-Wyer | 04.09.2026, 13:43:09

«Es ist wunderbar, wenn ich täglich Gäste über den tollen Gletscher führen darf», sagt Bergführer Kilian Volken. «Der Aletschgletscher ist der schönste und mächtigste Gletscher.»

Ende des 18. Jahrhunderts fuhr ein Bootsmann die Gäste des Hotels Jungfrau auf der Fiescheralp mit dem Boot über den Märjelensee zum Aletschgletscher. Heute muss Bergführer Kilian Volken aus Fiesch immer weiter laufen, bis er den Gletscher erreicht. «Seit 50 Jahren bin ich Bergführer», sagt er. «Es tut mir im Herzen unglaublich weh, dass der Gletscher immer kleiner wird.» Für ihn ist es unvorstellbar, dass das riesige Eismeer nicht mehr da ist. «Die Natur und die Berge geben mir so viel. Das ist unbezahlbar.»

Einen Sommer wie 2026 hat Kili noch nie erlebt: Es gab noch nie so viele Hitzetage und noch nie so wenig Gewitter. Kili weiss, dass Gewitterfronten schnell aufziehen können. «Ein Gewitter ist das schlimmste Erlebnis in den Bergen», sagt er. «Du bist völlig machtlos und ausgeliefert.» Die vielen Wasserbäche auf dem Gletscher ziehen die Blitze an.

Kili war 35 Jahre alt, als er mit dem Höhenbergsteigen begann. Er bestieg Gipfel in den Anden, in Alaska, Pakistan oder Russland. «Man wird fast süchtig danach.» 

Während Kili beim Höhenbergsteigen direkt am Berg nur für sich verantwortlich ist, trägt er bei Gletschertouren Verantwortung für die Gäste am Seil. «Ich muss fast ein Psychologe sein», sagt der Fiescher. Und er gibt preis, dass manchmal auch die drei Bergführer-Lügen zum Einsatz kommen: «Es ist nicht mehr weit, es ist nicht so schwer und auf dem Gipfel sage ich, das hast du super gemacht.» Er betont, dass es jedoch keine dankbareren Gäste gebe als jene, die eine Gletschertour gemacht hätten.

Kilis Wunschberg ist der K2. Dreimal hat er viel Zeit investiert und versucht, den gefährlichsten Achttausender der Welt zu erklimmen. Er schaffte es nicht. «Heute bin ich froh, dass ich umgekehrt und noch da bin», sagt Kili. «Der K2 bleibt mein Traumberg ohne Gipfel.»

Mehr über Kilis Leben und seinen Beruf erfährst du im Video.